Zum Inhalt springen

DRONINATOR – Klang als Fläche

Idee

Dieses Instrument verdankt seine Idee einem Klangerlebnis: Brian Enos Ambient 1: Music for Airports. Eno zeigte mir, dass Musik auch eine Umgebung sein kann. Langsame, repetitive Klangflächen, kaum wahrnehmbare Veränderungen, leichte Phasenverschiebungen zwischen den Schichten, die den Raum verändern, ohne dass man genau sagen könnte, wann. Ambient war für Eno nie Hintergrundmusik, sondern Klang als Atmosphäre. Robert Fripp trieb das mit seinen „Frippertronics“ live weiter – Klangflächen, die sich vor dem Publikum in Echtzeit aufbauten. Aphex Twin zeigte Anfang der 1990er mit Selected Ambient Works, dass diese Idee auch in der Clubkultur funktionierte: repetitive Klangflächen, körperlich, ohne ihre Langsamkeit aufzugeben.

Diese Idee – Klang als Fläche, die Zeit und Raum mitbringt – ist der Kern, aus dem das Instrument entstanden ist.

VST und Standalone sind kostenfrei. Jeder, der mag, darf gerne in seiner eigenen DAW damit rumspielen – alles auf eigene Gefahr!

Aktuell liegt nur die Version für macOS vor. Windows wird noch folgen.

Hier geht es zum -> Download <-

Das Ergebnis

DRONINATOR ist ein polyphoner Synthesizer für Ambient/Drone als Standalone und VST3-Plug-in.

Klangerzeugung

  • 2 Oszillatoren, jeder einzeln umschaltbar zwischen zwei Engines: PolyBLEP (stufenlose Morphung Sine → Triangle → Saw → Square, aliasfrei bei jeder Tonhöhe) und Table (zwei additiv gebaute Wavetable-Sets, „Glass“ und „Shimmer“) – Position-Regler und Quick-Select-Dropdown bedienen beide, das Dropdown beschriftet sich je nach Engine um
  • Unison pro Oszillator einzeln (bis 7 Stimmen, Detune, Stereo-Breite)
  • ein Multimode-Filter (LP/HP/BP) mit Drive und Envelope-Amount, dessen Resonanz bei 1.0 in die Selbstoszillation läuft – die Kennlinie ist bewusst kubisch, weil eine lineare schon bei 0.2 anfängt zu pfeifen und damit zwei Drittel des Reglers verschenkt
  • zwei ADSR-Hüllkurven (Amp/Filter) mit live mitlaufender grafischer Darstellung, Release bis 8 Sekunden
  • ein Hold-Schalter, der gespielte Noten nach dem Loslassen stehen lässt – liegt außerhalb des Preset-Systems, damit ein Presetwechsel ihn nicht ungefragt umlegt

Modulation & Struktur

  • zwei LFOs, beide tempo-synchronisierbar von 1/16-Triole bis 8 Takte, und beide global statt pro Stimme – damit ein Akkord gemeinsam atmet, statt dass jede Stimme ihre eigene Phase mitschleppt und langsam gegen die anderen driftet
  • eine 12-Slot-Modulationsmatrix, die additiv auf die festen Routings obendrauf kommt
  • LFO 1 hat ein festes Routing mit eigenem Depth-Regler, LFO 2 bewusst keins – er geht nur über Matrix und Delay, und die bringen ihren Amount schon selbst mit

Effekte

  • FX-Chain global mit Bypass, für alle, die lieber eigene Effekte im Host einsetzen: Distortion → granulares Delay → Faltungshall
  • das Delay liest zwei überlappende Körner aus einem 5-Sekunden-Ring, mit Korngröße, Spray und einer Leseposition, die sich von LFO 1 oder 2 modulieren lässt
  • der Hall faltet drei Impulsantworten („Cavern“, „Plate“, „Glacier“) oder eine eigene Datei bis 10 Sekunden – die drei mitgelieferten sind keine Samples, die werden beim Start gerechnet

Presets

  • 16 unveränderliche Werkspresets plus eine echte Preset-Bibliothek im Homeverzeichnis (eine Datei pro User-Preset), mit Speichern-Dialog (Speichern/Nicht speichern/Abbrechen) bei Wechsel oder Schließen, und einem „zuletzt aktiv“-Mechanismus, der sich jedes Preset merkt – egal ob Werks- oder eigenes Preset

Look

  • dunkles Look-and-Feel (fast schwarz, Blau-Akzent), 3 Tabs (MAIN/MATRIX/FX)

Werkspresets

16 Stück, unveränderlich. Sie sind nicht nach Instrumentenrolle sortiert, sondern nach Charakter – bei einem Drone-Synth gibt es schlicht keine Bässe und Leads.

Tiefe Drones

  • Monolith – der Purist der Sammlung – beide Oszillatoren zwei Oktaven tief, Filter bei 160 Hz, Attack 3,5 s, Release 6 s, und sonst ist praktisch alles aus: kein Delay, kein LFO-Anteil, nur ein Hauch Cavern-Hall – wenn ein Ton für sich allein tragen soll
  • Obsidian Hum – Sinus zwei Oktaven tief unter einem Sägezahn eine Oktave darüber, Filter bei 260 Hz mit etwas Drive – das Delay steht auf 2,2 Sekunden mit halbem Feedback, was den Ton eher verbreitert als wiederholt
  • Subterranean Drone – das tiefste und langsamste Preset – Filter bei 200 Hz, Release 6 s, und mit 4,2 Sekunden das längste Delay der Sammlung bei 260-ms-Körnern – die Wiederholungen kommen so spät, dass sie als eigene Schicht wahrgenommen werden
  • Molten Core – Resonanz auf 0,75, Filter-Drive auf 3,0 und als einziges Preset ein bisschen Distortion obendrauf – klingt entsprechend angeschmutzt und drängend statt entspannt – bewusst als Gegenpol dabei

Warme Flächen

  • Warm Mantle – vier Unison-Stimmen mit 14 ct Verstimmung über einem Dreieck, Attack nur 1,2 s – das effektärmste Preset überhaupt: kein Delay, nur ein Viertel Plate-Hall – Gedacht als Ausgangspunkt zum Selbstschrauben
  • Halcyon Fields – Glass-Wavetable mit vier Unison-Stimmen, dazu ein Dreieck – der LFO läuft auf 8 Takte synchronisiert und moduliert die Lautstärke – das ist die längste Periode, die der Synth hergibt, eine Bewegung, die man erst nach einer halben Minute wirklich bemerkt
  • Endless Horizon – Dreieck eine Oktave tief plus Shimmer-Wavetable, Filter bei 900 Hz. Der LFO wandert alle zwölf Sekunden einmal durch den Cutoff, das Delay steht auf 550 ms – die Fläche, die am ehesten „weit“ klingt
  • Deep Vale Pad – mit 1 s Attack und 2 s Release das schnellste Preset – zwei PolyBLEP-Oszillatoren, moderater Hall, kurzes Delay bei 380 ms – das einzige, das sich noch wie ein gewöhnliches Pad spielen lässt

Kalte Texturen

  • Glacial Drift – beide Oszillatoren auf demselben Wavetable-Set, aber an gegenüberliegenden Positionen (0,2 und 0,8), Attack 3,5 s, Release 6 s. Der LFO ist auf 4 Takte synchronisiert und moduliert die Tonhöhe – sehr wenig, aber genug, dass nichts stillsteht
  • Frozen Choir – fünf Unison-Stimmen mit 16 ct und voller Stereobreite, was den chorartigen Eindruck macht – ein LFO schiebt über die Matrix langsam die Wellenform des zweiten Oszillators, mit 0,06 Hz also einmal alle 17 Sekunden
  • Ice Bell Drone – als eines von zwei Presets eine Oktave nach oben transponiert, Filter weit offen bei 3600 Hz, hellster Hall der Sammlung. Glockig, aber ohne Resonanz – die Höhen kommen aus der Wellenform, nicht aus einem Filterpfeifen
  • Crystal Cavern – Resonanz auf 0,82 und damit dicht an der Selbstoszillation, die Filterhüllkurve fährt über 3,5 s hoch – eines von zwei Presets, die absichtlich klingeln dürfen

Bewegte Klänge

  • Aurora Shimmer – das hellste Preset (Filter bei 3200 Hz) und das einzige mit beiden LFOs gleichzeitig: einer auf dem Cutoff, der andere auf der Leseposition des Delays – dazu 0,4 Spray, damit die Körner leicht auseinanderfallen
  • Tidal Drift – hier bewegt ein einziger LFO gleichzeitig den Filter und die Delay-Position, auf 2 Takte synchronisiert – weil die LFOs global laufen, ist das exakt dieselbe Welle – Filter und Delay atmen deshalb wirklich synchron und nicht nur ungefähr
  • Static Bloom – das einzige Preset mit Sample&Hold – der LFO springt alle fünf Sekunden auf einen neuen Wert und verschiebt damit die Wellenform, dazu 0,6 Spray im Delay – das körnigste, unruhigste der Sammlung
  • Whispering Void – das leiseste und längste – Attack 4 s, Release 7 s, zwei fast reine Sinustöne mit 11 ct Schwebung gegeneinander – der LFO moduliert auf 4 Takte die Lautstärke, sodass der Klang von selbst kommt und geht