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Meteor-Scatter Monitor (HowTo)

Den Himmel im Blick, die Yagi in der richtigen Richtung

Wer schon einmal mit MSK144 auf 6 oder 2 Metern gearbeitet hat, kennt die Frage: Wohin mit der Antenne? Bei einem Sked mit einer bekannten Station ist die Antwort einfach – Antenne aufs Ziel. Aber wenn man einfach nur CQ rufen und sehen will, was geht, wird es interessanter. Denn die Meteore fallen nicht gleichmäßig über den Himmel, und die Richtung, in der die meisten nutzbaren Reflexionsspuren entstehen, verschiebt sich im Lauf der Nacht.

Genau dafür habe mein astronomisches Wissen genutzt und den Meteor-Scatter Monitor gebaut: eine Microsite, die den Himmel mit aktiven Meteorströmen mit ihren Radianten zeigt, daraus eine Antennenempfehlung ableitet und auf einer Karte anzeigt, welche Länder in dieser Richtung überhaupt erreichbar wären.

Diese Anleitung geht die Oberfläche der Reihe nach durch: erst das Hauptfenster, dann die vier Panels – und zum Schluss ein paar Tipps aus der Praxis.

Erster Start

Beim ersten Start passieren drei Dinge:

  1. Ein Cookie-Banner fragt, ob der zuletzt genutzte Standort gespeichert werden darf. Gültigkeit sieben Tage, gespeichert werden ausschließlich Koordinaten und Ortsname – sonst nichts. Wer ablehnt, verliert nur den Komfort, das QTH beim nächsten Mal nicht neu eingeben zu müssen.
  2. Der Browser fragt nach der Standortfreigabe. Erlaubt man sie, springt die Anzeige auf die aktuelle Position.
  3. Die Himmelsansicht startet in Echtzeit mit der aktuellen Uhrzeit.

Ab dem zweiten Start wird, sofern der Cookie akzeptiert wurde, der gespeicherte Standort direkt geladen, ohne Nachfrage.

Das Hauptfenster: die Himmelsansicht

Das große Bild im Hintergrund ist der Himmel über dem eingestellten Standort – nicht dekorativ, sondern gerechnet.

Navigation

Mit gedrückter linker Maustaste ziehen (oder mit dem Finger wischen) dreht die Blickrichtung. Oben in der Mitte steht immer, wohin man gerade schaut: Azimut in Grad, das Kürzel der Himmelsrichtung und die sichtbare Azimutspanne.

Vertikal ist alles fest: Die Ansicht zeigt immer den kompletten Bereich von 0° am Horizont bis 90° im Zenit. Es gibt bewusst keinen Zoom und keine Höhenverstellung – so kann kein Radiant „aus dem Bild rutschen“, und die Höhe eines Objekts lässt sich jederzeit direkt an den Rasterlinien ablesen. Eine Bedienmöglichkeit weniger, aber nichts geht verloren.

Himmel und Horizont

Der Himmel färbt sich nach dem tatsächlichen Sonnenstand – von Tagblau über die Dämmerungsstufen bis zur astronomischen Nacht, mit Abendrot in der Richtung, in der die Sonne steht. Am Horizont deutet eine Baumsilhouette die Vegetation an; sie ist am Azimut verankert. Unter der Horizontlinie laufen die Gradskala und die Himmelsrichtungen mit.

Wichtig für uns Funkamateure: Meteore werden auch tagsüber dargestellt. Optisch wäre das Unsinn, aber für Meteor-Scatter zählt der Himmel rund um die Uhr – die Arietiden im Juni etwa sind ein reiner Tagstrom. Damit alles vor dem hellen Himmel lesbar bleibt, bekommen Spuren, Marker und Beschriftungen tagsüber automatisch einen dunklen Kontursaum.

Radianten und Strichspuren

Jeder aktive Strom bekommt einen Marker mit Fadenkreuz, Kürzel und aktueller ZHR. Steht ein Radiant unter dem Horizont, wird der Marker gedimmt und entsprechend beschriftet.

Die Strichspuren laufen radial vom Radianten weg, wie in Wirklichkeit. Ihre Häufigkeit richtet sich nach zwei Größen: der aktuellen Aktivität des Stroms (Gauß-Kurve um das Maximum nach IMO-Kalender, samt täglicher Radiantendrift) und der Höhe des Radianten über dem Horizont. Letzteres ist der Grund, warum die Perseiden nach Mitternacht besser laufen – steht der Radiant hoch, bietet die Atmosphäre dem Strom die volle Fläche.

Die Heatmap

Die farbigen Schleier markieren den Ring von etwa 30° bis 70° um jeden Radianten. Dort erscheinen die meisten brauchbaren Spuren: Direkt am Radianten kommen die Meteore frontal auf uns zu und hinterlassen nur kurze Punkte, zu weit entfernt nimmt die Zahl wieder ab.

Flugrichtung Erde (Apex)

Der mintgrüne Doppelpfeil markiert den Apex – die Richtung, in die sich die Erde auf ihrer Bahn bewegt, rund 30 km/s schnell und immer 90° vor der Sonne in der Ekliptik. Ein kurzer Pfeil über der Horizontlinie zeigt zusätzlich das Azimut mit der Beschriftung „Flugrichtung Erde“.

Dahinter steckt der wichtigste Effekt für den sporadischen Untergrund: Die Erdseite, die gerade nach vorn zeigt, fährt frontal in die Teilchen hinein und bekommt deutlich mehr ab als die abgewandte Seite. Die App leitet die Sporadenrate direkt aus der Apex-Höhe ab, und damit ergeben sich zwei bekannte Phänomene von selbst:

  • Tagesgang: Der Apex kulminiert gegen 6 Uhr Ortszeit – daher das Morgenmaximum.
  • Jahresgang: Weil die Erdachse geneigt ist, pendelt die Apex-Deklination übers Jahr zwischen -23,4° und +23,4°. In JO31 steht der Apex Ende September rund 62° hoch, Ende März nur etwa 15°. Das ist der Grund für das Herbstmaximum und das Frühjahrsminimum der Sporadenrate auf der Nordhalbkugel – in der App messbar als Unterschied zwischen etwa 8 und 17 Meteoren pro Stunde.

Auf der Südhalbkugel kehrt sich das korrekt um. Wer es nachprüfen will: Standort auf Kapstadt setzen und die Spitzenrate im März mit der im September vergleichen.

Antennenrichtung am Horizont

Ein oranger Zeiger auf der Horizontlinie markiert, wohin die virtuelle Yagi gerade schaut – mit Azimut und Richtungskürzel. Die Marken links und rechts davon zeigen die Keulengrenzen bei -3 dB, das schwach eingefärbte Band darüber die Hauptkeule.

Sternbilder, Mond und Baken

Sechzehn markante Sternbilder dienen der Orientierung, mit Verbindungslinien und Namen. Der Mond wird mit korrekter Position und Phase gezeichnet – inklusive Erdschein auf der Nachtseite und richtig zur Sonne ausgerichtetem Terminator. Die Scheibe ist gegenüber den realen 0,5° vergrößert, sonst wäre die Phase nicht zu erkennen. Für Meteor-Scatter ist der Mond bedeutungslos, aber er hilft beim Zurechtfinden.

Bei Standorten in Europa erscheinen am Horizont zusätzlich zwei Mastsymbole für die SDR-Referenzsender GRAVES und BRAMS – dazu unten mehr.

Links oben: Standort & Zeit

Die Schaltzentrale der App.

Standort

Das Eingabefeld akzeptiert drei Formate, es wird automatisch erkannt, welches vorliegt:

  • Maidenhead-Locator: JO31LK (vier- oder sechsstellig)
  • Koordinaten: 51.45, 7.01
  • Stadtname: Essen, Wien, Kopenhagen – rund 45 Städte sind hinterlegt

Der 📍-Button holt die aktuelle Position vom Browser. Unter dem Feld steht immer, was gerade eingestellt ist: Locator, Koordinaten und Ortsname. Bei jedem Standortwechsel werden Sternhimmel, Radiantenhöhen, Karte und Bakenrichtungen komplett neu gerechnet.

Zeit

Das Datums- und Uhrzeitfeld erlaubt beliebige Zeitpunkte – praktisch, um vor einem Strommaximum zu planen. Daneben:

  • Jetzt schaltet zurück in den Echtzeitbetrieb, erkennbar am grünen LIVE-Punkt
  • -1 d / -1 h / +1 h / +1 d springen in festen Schritten
  • 1× / 60× / 600× lassen die Zeit im Raffer ablaufen

Rechts steht immer die zugehörige UTC-Zeit.

Anzeige-Optionen

Vier Schalter blenden Elemente aus, wenn es zu voll wird: Heatmap, Sternbilder, Gradraster und das Keulenband am Horizont. Der Richtungszeiger der virtuellen Antenne bleibt dabei immer sichtbar.

Links unten: Scatter-Karte

Eine azimutale Karte mit dem eigenen QTH im Mittelpunkt, Norden oben, Radius 2500 km. Richtung und Entfernung lassen sich direkt ablesen, Entfernungsringe alle 500 km.

Der orange Ringsektor markiert die Zone von 500 bis 2200 km – die typische Sprungdistanz bei Reflexionshöhen um 100 km. Darunter geht es nicht, weil die Geometrie zu steil wird; darüber reicht die Erdkrümmung nicht mehr. Die Breite des Sektors entspricht der eingestellten Antennenkeule.

Umschaltbar ist, wem der Sektor folgt: der Blickrichtung in der Himmelsansicht oder dem Antennen-Heading. Die jeweils andere Richtung bleibt als dünne Linie sichtbar.

Länder, die im Sektor liegen, werden direkt auf der Karte mit ihrem DXCC-Präfix beschriftet und darunter als Liste geführt, sortiert nach Entfernung. Der Mauszeiger über einem Präfix zeigt Land und Distanz. In Europa sind zusätzlich GRAVES und BRAMS als Punkte eingezeichnet – so sieht man sofort, ob eine Bake im aktuellen Sektor liegt.

Rechts oben: Aktive Meteorströme

Die Liste zeigt alle Ströme, die zum eingestellten Zeitpunkt nennenswert aktiv sind, sortiert nach ihrer tatsächlichen Wirksamkeit – also nach Aktivität und Radiantenhöhe zusammen. Ein Strom mit hoher ZHR, dessen Radiant unter dem Horizont steht, rutscht dadurch automatisch nach unten.

Pro Eintrag gibt es:

  • Farbpunkt und Name – die Farbe entspricht den Strichspuren und dem Radiantenmarker am Himmel
  • ZHR rechts: die aktuelle Aktivität, nicht der Maximalwert
  • Azimut, Richtungskürzel und Höhe des Radianten; ein ▽ markiert Radianten unter dem Horizont, Tagströme sind entsprechend gekennzeichnet
  • Balken: die aktuelle Aktivität im Verhältnis zum Maximum dieses Stroms – gut zu sehen, ob man vor, im oder nach dem Peak steht

Ganz unten steht immer die Zeile Sporadisch (Apex) mit der aktuellen Grundrate, dem Apex-Azimut, seiner Höhe und seiner Deklination. An den meisten Tagen im Jahr ist das die eigentliche Hauptquelle – die großen Ströme sind die Ausnahme, nicht die Regel.

Rechts unten: Antennen-Kompass

Das eigentliche Arbeitswerkzeug.

Heading setzen: Klicken oder Ziehen im Kompassbild dreht die virtuelle Antenne. Die große Zahl darunter zeigt das Azimut, gleichzeitig wandert der Zeiger an der Horizontlinie mit.

Elemente wählen: Der Regler stellt die Yagi zwischen 3 und 25 Elementen ein. Daraus werden Keulenbreite und Gewinn genähert und darunter angezeigt – etwa 52° und 6,9 dBd bei fünf Elementen, 23° und 13,9 dBd bei fünfundzwanzig. Die eingestellte Keule wirkt sich überall aus: auf das Diagramm im Kompass, das Band am Horizont, den Sektor auf der Karte und die Länderliste.

Die Dichterose: Die orange Fläche zeigt, aus welcher Richtung gerade die meisten nutzbaren Spuren zu erwarten sind. Sie berücksichtigt Aktivität und Höhe aller Radianten sowie den Apex-Anteil der Sporaden. Am Rand markieren farbige Punkte die Radianten, eine mintgrüne Pfeilspitze den Apex.

Warum quer zum Radianten? Eine Meteorspur reflektiert am besten, wenn sie quer zur Funkstrecke steht – „broadside“ getroffen. Weil die Spuren radial vom Radianten wegzeigen, liegt die günstigste Achse also etwa 90° zum Radianten. Genau das rechnet die Rose, und der Button → Empf. dreht die Antenne direkt dorthin. Darunter stehen beide Richtungen der besten Achse sowie die geschätzte Gesamtrate pro Stunde.

SDR-Baken: Bei Standorten in Europa erscheint zusätzlich eine Zeile mit zwei Buttons für die Referenzsender, die beim Beobachten von Meteorreflexionen mit einem SDR Standard sind:

  • GRAVES – das französische Weltraumradar bei Dijon auf 143,050 MHz
  • BRAMS – die belgische Meteor-Bake in Dourbes auf 49,97 MHz

Ein Klick dreht die virtuelle Antenne direkt auf den jeweiligen Sender; der Tooltip nennt Frequenz, Azimut und Entfernung. Zur Praxis: GRAVES strahlt in einen Süd-Sektor. Wer nördlich davon sitzt, hört die Reflexionen aus Richtung des Radars und dahinter – die Antenne auf GRAVES zu drehen ist der richtige Ausgangspunkt. BRAMS strahlt eher zenitnah und ist vor allem im Umkreis einiger hundert Kilometer nutzbar.

Nützliche Tipps

Fenster frei anordnen. Alle vier Panels lassen sich am Titelbalken festhalten und verschieben, ein kurzer Klick auf den Titel klappt sie auf und zu. Wer Karte und Kompass nebeneinanderlegt, hat Sektor und Keule gleichzeitig im Blick.

Den Zeitraffer zum Planen nutzen. Bei 600× sieht man in wenigen Sekunden, wie ein Radiant aufgeht, über den Himmel wandert und die Sporadenrate mit ihm atmet. Vor einer Strom-Nacht lohnt es sich, einmal 24 Stunden durchlaufen zu lassen: Wann steht der Radiant hoch, wann kulminiert der Apex, wann fällt beides zusammen?

Die lange Yagi ist nicht automatisch besser. Zieht man den Elementregler von 5 auf 20, schrumpft die Länderliste deutlich. Bei Meteor-Scatter liegt die nutzbare Reflexionszone breit gestreut – Gewinn wird hier mit Selektivität erkauft.

Morgens ist besser als abends. Das gilt nicht nur für Ströme, sondern gerade für die Sporaden: Zwischen etwa 3 und 8 Uhr Ortszeit steht der Apex hoch. Die Zeile ganz unten in der Stromliste zeigt es in Zahlen.

Auf die Radiantenhöhe achten, nicht nur auf die ZHR. Ein Strom mit ZHR 100 und Radiant bei 5° Höhe bringt weniger als einer mit ZHR 30 im Zenit. Die Sortierung der Liste nimmt einem diese Rechnung bereits ab.

Ein typischer Ablauf. Standort prüfen → Datum auf die geplante Nacht setzen und mit 600× durchlaufen lassen → zurück auf Jetzt → eigene Elementzahl einstellen → Empf. drücken → auf der Karte kontrollieren, welche Länder in dieser Richtung liegen → Antenne drehen, MSK144 starten.

Das Fragezeichen unten links öffnet eine Kurzhilfe mit allen Erklärungen.

Zum Schluss

Ein paar Worte zur Genauigkeit: Sternzeit, Sonnen- und Mondposition sowie die Umrechnung der Radianten in Azimut und Höhe sind sauber gerechnet. Die Aktivitätsdaten folgen dem IMO-Kalender und sind als Gauß-Kurven angenähert – reale Ströme haben Ausbrüche und Nebenmaxima, die kein Modell vorhersagt. Die Antennenempfehlung ist eine physikalisch begründete Faustregel, keine Ausbreitungsvorhersage: Für ein konkretes QSO gilt weiterhin, die Antenne aufs Ziel zu drehen.