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Hobbyastronome als Forscher

Astronomie ist eine der wenigen Wissenschaften, in der Amateure seit jeher auch tätig sind. Das liegt an einer simplen Tatsache: Der Himmel ist groß und für jeden zugänglich. Professionelle Observatorien vergeben zudem ihre Beobachtungszeit nicht einfach so – diese wird in Projektanträgen beantragt, von Gutachtern bewilligt und am Ende an die erfolgreichsten Anträge verteilt. Wer einen erdnahen Asteroiden, ein ungewöhnliches Sternenphänomen oder eine gerade ausgebrochenen Supernova beobachten will, kämpft unter Umständen mit einer zu langen Wartezeit. Wir Hobbyastronome haben dieses Problem nicht. Wenn es klar ist, gehen wir raus. Wenn etwas Interessantes am Himmel steht, schauen wir hin und zudem haben wir quasi unbegrenzte Beobachtungszeit. Klingt banal, ist aber genau der Grund, warum die Profi-Astronomie relativ oft auf „uns“ zurückgreift.

Lichtverschmutzung ist trotzdem ein Thema, das sich nicht totschweigen läßt. Wer in einer Großstadt wohnt, hat es schwer. Aber selbst dann geht was. Für photometrische Beobachtungen brauchst du nicht den tiefsten Himmel, oft reicht auch ein Standort am Stadtrand oder eine Reise ins nächste Dunkelgebiet. Was zählt, ist Konstanz – eine fünfminütige Messung pro klare Nacht, Monat für Monat, ist mehr wert als als einige denken.

Veränderliche Sterne – eine Daueraufgabe

Die AAVSO in den USA hat Millionen visuelle Beobachtungen gesammelt, die BAV in Deutschland führt ein vergleichbares Archiv. Professionelle Surveys verlieren viele dieser Objekte aus den Augen, weil ihre Programme auf andere Ziele ausgerichtet sind.

Konkret geht es um Helligkeitsmessungen, photometrisch mit Kamera und Auswertung am Computer. Die Lichtkurven, die dabei entstehen, decken Zeiträume ab, die Profis bisher selten über längere Zeiträume messen. Veränderliche verraten viel über Sternaufbau und Entwicklung, manchmal über unsichtbare Begleiter. Und wenn ein Stern plötzlich ungewöhnliches Verhalten zeigt, ist das oft der erste Hinweis auf etwas, was weitere Aufmerksamkeit erfordern könnte.

Was du dazu brauchst: Ein Teleskop mit einer CMOS-Kamera eröffnet die Photometrie. Die AAVSO hat eine sehr brauchbare Anleitung, eigene Lichtkurven aus Rohbildern zu erstellen.

Exoplaneten-Transite – fremde Welten

U.a. das Weltraumteleskop Kepler hat uns gezeigt, wie viele Planeten es da draußen gibt. Aber jeder Kandidat muss bestätigt werden, und dazu braucht es bodengestützte Beobachtungen. Hier kommen Initiativen wie die Exoplanet Transit Database ins Spiel, oder auch die eVscope-Nutzergruppe mit ihren Standardauswertungen.

Du richtest dein Teleskop auf den Stern, nimmst den Helligkeitsabfall während des Transits auf, misst ihn aus und lädst die Lichtkurve hoch. Mit einem hundert Millimeter Teleskop und einer normalen CMOS-Kamera bist du bei vielleicht ein bis zwei Prozent Genauigkeit. Klingt nach wenig, reicht aber für Bestätigungsprogramme. Spannend wird es bei Transit-Timing-Variationen – wenn der Transit mal zu früh oder zu spät kommt, kann das auf einen weiteren Planeten im System hindeuten, der den ersten gravitativ beeinflusst.

Asteroiden – Bahnbestimmung

Asteroiden, die neu entdeckt werden, haben erstmal eine vorläufige Bezeichnung. Bis das Minor Planet Center eine brauchbare Bahn berechnen kann, müssen sie mehrfach beobachtet werden. Diese Nachbeobachtungen sind Fleißarbeit. Hobbyastronome mit kleinen Instrumenten sind hier hilfreich bei der Bahnbestimmung für Tausende Objekte pro Jahr tätig.

Astrometrica und Tycho sind Standardwerkzeuge, mit denen du aus deinen Aufnahmen genaue Positionen misst. Wer dann noch einen Schritt weitergeht, kann aus Lichtkurven Rotationsachsen und ungefähre Formen ableiten. Aus vielen unabhängigen Beobachtungen über verschiedene Längengrade hinweg entstehen mit der Zeit richtig gute 3D-Modelle.

Sternbedeckungen durch Asteroiden sind ein Sonderfall, der ebensfall interessant ist. Zieht der Asteroid exakt vor einem Stern vorbei, fällt dessen Licht für ein paar Sekunden aus. Mit präziser Zeitmessung an mehreren Stationen lässt sich daraus die Größe des Asteroiden auf wenige Kilometer genau bestimmen. Die IOTA koordiniert solche Kampagnen.

Meteore, Kometen, Supernovae – die kleinen Dinge

Meteore: Visuelle Zählungen beim nächsten Leoniden- oder Perseiden-Sturm, Helligkeitsschätzungen, Radiantbestimmung – die internationale Meteororganisation (IMO) verarbeitet genau diese Daten. Eine AllSky-Kamera auf Raspberry-Pi-Basis kann hier durchaus schon gute Dienste leisten.

Kometen: Für jedes spektakuläre Schweifobjekt gibt es hundert andere, die jahrelang unbeobachtet dahinziehen. Helligkeitsschätzungen, Schweifbeobachtungen, Veränderungen in der Koma – der International Comet Quarterly sammelt das alles und ist entsprechend dankbar.

Supernovae: Die Jagd danach ist ambitionierter, aber nicht unmöglich. Koichi Itagaki aus Japan hat auf diese Weise hunderte Supernovae entdeckt, mit einem automatisierten Roboterteleskop und systematischen Bildvergleichen. Wer die Zeit und die Geduld mitbringt, kann das auch. Es braucht eher sehr viel Disziplin als Geld.

Spektroskopie – das nächste Level für Bastler

Sternspektroskopie ist faszinierend. Ein Gitterspektrograph vor der Kamera reicht, um Radialgeschwindigkeiten zu messen oder Emissionslinien in Planetarischen Nebeln zu beobachten. Shelyak-Instrumente sind die Standardempfehlung – StarAnalyser-Gitter für den Einstieg oder der Eigenbau mit dem 3D-gedruckten Projekt Star’Ex ist die günstige Alternative.

Die Hürde ist deutlich höher als bei anderen Beobachtungen. Kalibrationslampen, Auswertung mit Software, wie z.B. BASS oder RSpec – das alles muss man sich aneignen. Wer durchhält, kann Beiträge leisten, die in wissenschaftliche Publikationen einfließen. Gerade bei Veränderlichen gibt es spektroskopisch noch viele weiße Flecken.

Sonnenbeobachtung – drei Zugänge dazu

Die Sonne ist groß, hell und jeden Tag da – ausser Wolken versperren den Blick. Ihre Aktivität ist so unberechenbar, dass die NASA eigene Satelliten startet, um nur ein paar Parameter dauerhaft zu überwachen.

Weißlicht und Wolf-Zahl – der Einstieg: SILSO im belgischen Royal Observatory führt eine der längsten durchgehenden Messreihen überhaupt, dokumentiert von Amateuren seit über hundert Jahren. Du brauchst ein geeignetes Teleskop mit aufgesetztem Objektiv-Sonnenfilter (visuell ND5.0). Wichtig: Niemals ungeschützt in die Sonne schauen, weder mit noch ohne Optik. Flecken in Zehnergruppen erfassen, Gruppen und Einzelflecken getrennt notieren – fertig ist die Wolf-Zahl. Die Sonnenbeobachter der VdS koordinieren das im deutschsprachigen Raum.

H-alpha – wer einen Schritt weiter will: Ein H-alpha-Filter (zum Beispiel ein Lunt- oder Coronado-Teleskop) zeigt nicht nur Flecken, sondern Protuberanzen am Sonnenrand, Filamente auf der Scheibe und wechselnde Aktivitätsgebiete in der Chromosphäre. Das ist visuell deutlich spektakulärer als Weißlicht und du kannst neben Sonnenflecken auch die Strukturen im Detail beobachten – Filamente, die sich über Tage verändern, oder eine Protuberanz, die plötzlich hochschießt.

Sol’Ex – Sonnenspektroskopie für Amateure: Ein selbstgebauter Gitterspektrograph, günstige Komponenten, angepasst auf die Sonne und mit erstaunlicher wissenschaftlicher Tiefe. Das Projekt Sol’Ex (Solar Explorer) hat in den letzten Jahren eine ganze Amateurcommunity aktiviert, die Linienprofile der Sonne ins Internet streamt und ungewöhnliche Phänomene dokumentiert – etwa Helium-Linien in der Chromosphäre oder Absorptionsmerkmale bei Sonneneruptionen. Wer sich für Physik interessiert und basteln will, ist hier richtig; wer nur Bilder machen will, eher bei H-alpha.

Die Daten fließen in die Erforschung des elfjährigen Aktivitätszyklus, des Weltraumwetters und der Wechselwirkung zwischen Sonne und Erdatmosphäre. Eine Lücke in dieser Reihe wäre für die Forschung schlimmer als ein Jahr ohne Messdaten an irgendeinem Stern.

Mondeinschlagsblitze – wenn es auf dem Mond kurz aufblitzt

Schlägt ein Meteoroid auf den Mond ein, entsteht für den Bruchteil einer Sekunde ein sichtbarer Lichtblitz. Beobachtet wird dazu der unbeleuchtete Teil der Mondscheibe, bei zunehmendem oder abnehmendem Mond. Gegen den dunklen Hintergrund hebt sich der Blitz sichtbar ab. Genau diese Blitze dokumentieren Amateure inzwischen mit erstaunlichem Erfolg. Bei der TUM gibt es hierzu weitere Informationen.

Du brauchst ein Teleskop mit ausreichender Öffnung und Brennweite, eine Kamera mit zwanzig bis dreißig Bildern pro Sekunde und freie Sicht auf den Mond. Die Auswertung läuft am Computer, Treffer werden an die internationalen Mond-Impact-Monitoring-Programme gemeldet. Realistisch sind pro Saison zwischen drei und fünfzehn bestätigte Treffer.

Interesse geweckt?

Dies ist nur ein grober Überblick dessen, was möglich ist. Einzelne Themen bekommen in Zukunft eigene Artikel.

Wenn du wissen willst, wo du anfangen kannst: Die AAVSO-Beobachtungsliste, das MPC, die IOTA-Kampagnen – alles ist offen. Du brauchst im Wesentlichen ein funktionierendes Teleskop, ein Beobachtungsprotokoll und etwas Geduld.

Zu diesen Themen gibt es auch Fachgruppen innerhalb des VdS (Vereinigung der Sternfreunde e.V.), in denen man Gleichgesinnte zum Austausch und Teilnahme findet. Auch der BAV (Bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V.) ist im deutschprachigen Raum ein guter Ansprechpartner.