Der Kern: Leistung rechnet sich logarithmisch
Das Ohr und die S-Meter-Skala arbeiten in dB, nicht in Watt. Eine S-Stufe entspricht 6 dB, also Faktor 4 an Leistung.
| Von → Auf | Gewinn | S-Stufen |
|---|---|---|
| 5 W → 10 W | 3 dB | ½ |
| 5 W → 100 W | 13 dB | gut 2 |
| 100 W → 400 W | 6 dB | 1 |
Um z.B. von S3 auf S9 zu kommen, bräuchte man das 4000-fache – aus 100 W würden rund 400 kW, um mal ein extremes Beispiel zu nennen.
Warum andere Maßnahmen mehr bringen
Antenne und Höhe: Eine 3-Element-Yagi bringt ~7 dBd, also etwa Faktor 5 – und zwar in beide Richtungen. Die PA hilft nur beim Senden, die Antenne verbessert auch den Empfang und blendet QRM aus seitlichen Richtungen aus. Auf UKW schlägt zusätzlich jeder Meter Höhe fast alles andere.
Kabel: 20 m RG-58 auf 145 MHz kosten rund 3,8 dB – die Hälfte der Leistung heizt das Kabel. Besseres Koax ist „einfacher“ Gewinn, ebenfalls in beide Richtungen.
Betriebsart: FT8 dekodiert noch bei etwa -21 dB SNR, SSB bricht meist bei etwa 0 dB bis +3 dB Signal-Rausch-Abstand (SNR) zusammen. Das sind -24 dB Unterschied, also Faktor 256. Der Wechsel von SSB auf FT8 entspricht einer Endstufe, die es gar nicht gibt. Gut zu wissen: CW ist in der Hörschwelle rund 10 dB bis 15 dB empfindlicher als SSB.
Der Empfänger ist oft der Flaschenhals
Funk ist bidirektional. Wenn die Gegenstation an einem Störnebel von S7 aus Schaltnetzteilen, PV-Wechselrichtern und PLC sitzt, ändert der Sprung von S5 auf S7 nichts am Signal-Rausch-Abstand, der bei ihr zählt – man steigt mit, aber das Rauschen bleibt. Und wenn man die Station nicht hört, nützt die Sendeleistung ohnehin nichts.
Ausbreitung dominiert alles
Ist das Band zu, ist es zu – die MUF interessiert sich nicht für kW. QSB (Fading) schwankt oft um 20–30 dB, das überfährt den 10 dB Endstufengewinn locker. Das richtige Band zur richtigen Zeit (Greyline, Es-Öffnung, Contest-Wochenende) ist mehr wert als jede PA.
Und was viel Leistung kostet
- EMV/BEMFV: Größere Sicherheitsabstände, deutlich höheres Risiko für TVI/BCI beim Nachbarn.
- Eigene Station: HF im Shack, Mantelwellen, Einstreuungen in USB bzw. PC.
- Übersteuerung: Eine zu hart angesteuerte PA wird nicht lauter, sondern nur breiter (Splatter). Sauber eingestellte Sprachkompression bringt bei SSB oft mehr Durchschnittsleistung als eine schlecht ausgesteuerte Endstufe.
- Rechtlich gedeckelt ist es sowieso: in DL je nach Klasse (A: 750 W PEP, E: 100 W PEP, N: deutlich weniger).
Wo Leistung dann doch hilft
Ehrlicherweise im Pile-up, wo es nicht um absolute Feldstärke geht, sondern darum, lauter als die Konkurrenz zu sein. Außerdem bei EME, Meteor-Scatter, marginalem Tropo und bei tiefem QSB, wo jedes 1/10 dB entscheiden kann, ob man über oder unter der Dekodierschwelle liegt.
Daher …
Faustregel für die Reihenfolge: Standort/Höhe → Antenne → Kabel → Betriebsart → erst dann Leistung. Die PA ist das letzte Prozent, nicht das erste.
