Ich bin ja zur Zeit dabei mit einer Astrokamera als Teilchendetektor zu experimentieren und habe dies bereits schon in einigen Artikeln beschrieben. Im Tagesbericht vom 19. September 2026 steht eine Zeile, die ich mir einmal genauer ansehen wollte. Diese Zahl wollte nicht so recht ins Bild passen, weil diese scheinbar von allgemein bekannten Werten abweicht und zu Rückfragen führen könnte.
rate_per_cm2_min 2,434 ± 0,092
Zweieinhalb Treffer im Durchschnitt pro Quadratzentimeter und Minute, gemessen über eine Messreihe von 13 Stunden. Schlägt man nach, was im Wohnzimmer an Strahlung zu erwarten ist, findet man andere Zahlen. Für die gesamte Strahlung in einem Wohnhaus: zehn bis fünfzehn. Warum so wenig?
Liegt der Detektor also falsch? Nein. Aber um zu sehen, warum nicht, muss man auseinandernehmen, was in den Zahlen steckt.
Was die Einheit verspricht
„Teilchen pro Quadratzentimeter und Minute“ ist eine Flussdichte. Man denkt sich ein Fenster von einem Quadratzentimeter und zählt, wie viele Teilchen in einer Minute hindurchfliegen – egal welche..
Die gemessenen 2,434 sind etwas anderes, obwohl sie dieselbe Einheit tragen. Der Bericht nimmt die gezählten Treffer, teilt durch die Belichtungszeit und durch die Sensorfläche von 0,371 cm² – kleiner als ein Daumennagel. Das ist keine Zählung, wie viel hindurchfliegt, sondern wie viel davon vom Sensor bemerkt wird.
Warum es weniger als zehn ist
Jetzt zu den zehn bis fünfzehn in Wohnräumen. In den Tabellen dazu läuft gern das Wort „Impuls“ mit, und das verrät, was sie sind – keine Flussdichten, sondern Zählraten eines Geigerzählers. Zwei Zählraten von zwei technisch unterschiedlichen Detektoren vergleichen ist immer schwierig.
Und die Detektoren sind sehr verschieden. Den größten Teil der Umgebungsstrahlung stellen Gammaquanten. Diese sind ungeladen und hinterlassen unterwegs keine Spur. Sichtbar werden sie erst, wenn sie irgendwo ein Elektron aus einem Atom
schlagen – und das tun sie selten. Grob geschätzt fliegen durch jeden Quadratzentimeter eines Zimmers einige hundert pro Minute. Die aktive Schicht des Sensors ist rund fünf Mikrometer dick – dünner als ein Haar. Von zehntausend Quanten, die sie durchqueren, stößt dort etwa eines an. Was der Sensor trotzdem sieht, sind vor allem Elektronen, die ein Gammaquant aus Deckglas, Gehäuse oder Siliziumträger geschlagen hat und die zufällig durch die dünne Schicht fliegen.
Ein Zählrohr ist ein Gasvolumen in einer Metall- oder Glaswand, und schon die Wand ist hundertmal dicker als die aktive Schicht des Sensors. Sie bietet so viel mehr Gelegenheit, ein Elektron freizusetzen, das dann ins Gas fliegt. Hat das Rohr ein dünnes Glimmerfenster, zählt es außerdem Beta und ggf. sogar Alpha aus der Luft mit, die am Kameradeckglas scheitern. Es zählt also mehr, bei gleicher Strahlung im selben Zimmer.
Und noch etwas drückt die Anzahl: Der Sensor zählt nur, was deutlich über seinem Rauschen liegt. Es müssen also genügend Elektronen sein.
Die Rechnung im Überblick
Beitrag Geigerzähler Kamerasensor
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Myonen von oben ~1 weniger als die Hälfte der 2,43
Gamma aus Wänden 5 – 10 der größte Teil der 2,43
Radon-Folgeprodukte 2 – 5+ nur ihr Gammaanteil, schwankt
Alpha aus der Luft in "Radon" null (Deckglas, Gehäuse, Deckel)
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Summe 10 – 15 2,43
Eine Kleinigkeit dazu muss noch, der Vollständigkeit halber, erwähnt werden, was die Zahl eigentlich noch niedriger macht. Manche Teilchen schlagen im Sensor weitere Elektronen los, die ein paar Pixel weiter eine eigene kleine Spur hinterlassen. Der Bericht zählt beide. Fasst man solche zusammengehörigen Paare zu einem Ereignis zusammen, bleiben von den 707 Treffern gut 600 übrig – die Zahl der tatsächlich eingetroffenen Teilchen liegt also sogar etwas unter 2,43.
Was die 2,43 also sind
Kein Fluss und keine Dosis, sondern ein statistischer Ausschnitt der Strahlung im Zimmer – gesehen durch einen sehr dünnen Sensor. Das reicht aber um Trends abzubilden, die mit Lüftung, Tageszeit und Wetter schwanken.
